November 17th, 2008

Turmelnde Tauben 2


Zur Fortsetzung von Turmelnde Tauben.

Ende


November 6th, 2008

Im letzten Texteintrag auf Turmelnde Tauben soll der Gebrauchswert dieses Tumblelogs ein wenig erhöht werden. Das Thema ist „Die Anstalt der besseren Mädchen“ von Julia Zange, erschienen am 15.9.2008 bei Suhrkamp. Dieses Buch wird hier nicht in Gestalt von Literarkritikprosa besprochen und rezensiert sondern in der Konstellation und in der Verstreuung täglicher Blogeinträge als Onlinekupferstich dargestellt. Die Form des tumblelogs erlaubt dabei einige Freiheiten, die eine textbasierte Buchvorstellung sich nicht nehmen kann, zum Beispiel darf sich der Rezensent dort nicht unnötig breitmachen und sich selbst darstellen, obwohl das Wer und Aus-welcher-Perspektive doch eine wichtige Information ist, wenn man eine Buchkritik oder Lesermeinung liest. So werden auf Turmelnde Tauben keine Zitate präsentiert, sondern der Text wird vorgelesen und liegt als Video bei Youtube. Wenn der Vorlesende sein Gesicht verzieht, sich am Boden wälzt oder die Haare rauft, sagt das möglicherweise mehr als auf der Staubwaage verwogene Argumente. Mimik statt Belege, Ausdruck statt Interesse.

Man kann Turmelnde Tauben benutzen, um eine Ahnung zu bekommen, ob einen das Buch interessieren könnte, man kann aber auch erst das Buch lesen, was jeder vernünftige Mensch tun sollte, und anschließend wünschenswerterweise Genuß aus den hier veröffentlichen Kommentaren und Assoziationen ziehen. In beiden Fällen bleibt es natürlich dem Leser überlassen, in welcher Richtung er durch Turmelnde Tauben scrollt. Eine empfohlene Möglichkeit ist es jedenfalls, beim ersten Blogeintrag vom 29.Oktober zu beginnen. Füßlich dieser Seite befindet sich ein Pfeil, der zu den zeitlich früheren Blogeinträgen zurückführt.

November 5th, 2008

[Flash 9 is required to listen to audio.]

Serge Gainsbourg&Françoise Hardy – Comment Te Dire Adieu

Aus


November 5th, 2008

Man kann die Lektüre noch so sehr in die Länge ziehen. Auf Seite 158 endet „Die Anstalt der besseren Mädchen.“ Der vorletzte Texteintrag bei Turmelnde Tauben könnte sich natürlich mit dem Ende des Romans beschäftigen. Oder sich mal den Schreibstil vornehmen. Möglich wäre auch eine Inventurliste der vorkommenden Tiere und Pflanzen. Zuletzt sogar ein Fasan mit beachtenswerten Fähigkeiten, und zu allerletzt hebt ein bekröntes Federtier in einem triumphierenden Schlußbild sein Haupt so derart überzeugend aus dem Tümpel, daß etwaige Kitschvorwürfe als rechtsbeugende Selbstgefälligkeit auf den Rezensenten zurückfallen würden. Und noch viele Tiere mehr bevölkern die schwebende Zwischenwelt der Rieselquellen und der sie behütenden Mädchen. Bei den Pflanzen kennt sich die Autorin vielleicht sogar noch besser aus. Ja ja, Pflanzenkundlerin. Und das in Kombination mit einer beiläufig eingeworfenen gnostischen Spekulation darüber, was Luzifer von den übrigen Engeln unterscheidet, nämlich seine Überhelle. Was soll man aus angelologisch-dämonologischer Sicht dazu sagen? Bestimmt nicht: Julia Zange hat es faustdick hinter den Ohren.

“Gib Acht, dich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen, ja, laß sie dir noch nicht einmal durch den Kopf gehen; denn vielleicht bis du nicht fähig, deine eigene Aufgabe zu erfüllen.”

Johannes vom Kreuz (Juan de Yepes Álvarez)

November 5th, 2008

Josephine, can you maybe hold down the ears of the book for a moment?

Josephine, can you maybe hold down the ears of the book for a moment?

November 5th, 2008

Architekt war Archäologe


Mein Gedächtnis ist löchriger als ich dachte. Der Roman von Marie-Luise Kaschnitz heißt abschreckenderweise “Liebe beginnt”, das hatte ich vergessen. Erschienen nicht in den Zwanzigern, sondern 1933. Ihr Ehemann im realen Leben lehrte tatsächlich in Königsberg, war aber nicht Architekt sondern Archäologe. Das widerspricht der zitierten Episode um die Selbständigkeit. Vielleicht hat sie in fiktionalisierender Distanz einen Architekten aus ihm gemacht. Da bleibt nur übrig, das Buch ausfindig zu machen und die Stelle zu suchen, damit das Pauschalurteil über träge, schlampige Internetblogger, die zu keiner Gründlichkeit fähig sind, nicht neue Nahrung erhält.

Gedächtnis


November 5th, 2008

Jetzt weiß ich auch, welche Ahnin dieser Text hat. Dunkel steigt er aus einem Erinnerungswinkel ins Bewußtsein. Marie Luise Kaschnitz’ erster Roman. Glaube ich zumindest, sicher bin ich mir nicht. Morgen mal nachschauen. Es ist jetzt vier Uhr nachts, ich kann nicht einschlafen, nachdem ich noch mal von einem Anruf geweckt worden bin. Aber auf der Wahlparty im P. wäre wohl nichts mehr los. Wir verordneten unseren entzündeten Hälsen Schonung. – Marie Luise Kaschnitz: Ich kann mich an nichts anderes von ihr erinnern. – Nur ein undeutliches Tableau Hölderlin dienender Gedichte, und dieser Roman. – Damit ist sie, wenn ich mich richtig erinnere, bekannt geworden. Sie beschreibt darin ihre Beziehung zu ihrem Architektenehemann, wie sie zu zweit erst, ich meine, in Königsberg leben, später in… – Wie wenig man von einem Text behält, der einem doch eigentlich gut gefallen hat. Auf jeden Fall hat sie den Text vor dem Krieg geschrieben, in den Zwanzigern. – Wird wahrscheinlich heute von niemandem mehr gelesen, aber im Nachkriegsdeutschland gehörte sie zu den moralischen Instanzen, an denen sich das geschundene, blamierte Volk aufrichten konnte. Die Kaschnitz. – Mir tat ihr literarisch fingierter Ehemann leid – fällt mir wieder ein – in einem Moment, als er von der fiktiven Ehefrau dafür verurteilt wird, daß er beruflich absteigt. Die fiktive Version der Kaschnitz äußert sich enttäuscht darüber, daß aus seiner freiberuflichen Arbeit immer mehr eine abhängige Beschäftigung wird. Ich könnte jetzt kein weiteres Detail hinzufügen, an das ich mich so vergleichsweise genau erinnere. Vielleicht habe ich es mir gemerkt aus lauter Furcht vor den Beurteilungen der Frauen. Wenn sie einen schon für so geringe Vergehen verachten, seinen gutbezahlten Job nicht mehr durch Freiberuflichkeit distinguieren zu können, Berufstätigkeit als gesellschaftlichen Makel empfinden, was muß man sich da nicht alles einfallen lassen, um ihre Synapsenspalten mit Elektrizität zu füllen? 

November 4th, 2008

Seite 129