Jan am Telefon


October 31st, 2008

  • Jan: …suche ein Geburtstagsgeschenk.
  • Christoph: Weiblich oder männlich?
  • Jan: Weiblich.
  • Christoph: Vielleicht das Buch, um das es auf der Seite geht, wo du den Link testen sollst.
  • Jan: Fährt gerade hoch. Worum geht's denn in dem Buch?
  • Christoph: Um eine Fünfundzwanzigjährige in Berlin mit allen Neurosen und einem bescheuerten Freund. Ich bin aber erst auf Seite siebenundfünfzig. Noch kann ich nicht sagen, ob es ein gutes Geburtstagsgeschenk ist.
  • Jan: Tur-meln-de Tauben. Das ja süß. Siehs ja aus wie der Hoschi, has zugenommen, ne?
  • Christoph: Hm.
  • Jan: Dieses Video is no longer available.
  • Christoph: Wirklich?

Übernächster Morgen


October 31st, 2008

Wegen anderer Verpflichtungen immer noch erst auf Seite 57 des abgeholten Buches. Am Abend stellte sich heraus, daß nicht alle Betrachter das erste Video überhaupt sehen können. Es war keine Zeit mehr, es von auswärts zu testen. An diesem Morgen überlege ich, daß ich Jan anrufen kann, um ihn zu bitten, das Video anzuclicken. Als Vater von zwei Kindern wird er um kurz nach acht schon auf den Beinen sein.

October 30th, 2008

Anfang

Am nächsten Morgen


October 30th, 2008

Durch die vielen gleichzeitigen Kunstmessen mit all dem Drumherum hat es ein wenig länger gedauert. Das Video ist bereit. Fünf Minuten, der Roman von Anfang an. Jetzt muß es nur noch fertig hochladen, sind ja nur 154 MB, die erste Stunde ist schon um… Die Uploaddauer sprengt eigentlich auch gleich die ganze Idee des Vorwärtslesens bei laufender Kamera. Ich will wissen, wie es weitergeht. Da kann ich nicht jedesmal vier Stunden warten, bis drei Vorleseseiten in Videogestalt endlich hochgeladen sind. Ich könnte mir so lange das Interview mit der Dichterin auf der Seite ihres Verlages in voller Länge anhören.

October 30th, 2008

[Flash 9 is required to listen to audio.]

Sondermueller - Schnarrparade

Immer noch live


October 30th, 2008

Zielstrebig verfolge ich weiter das Ziel, das abgeholte Buch zu lesen. Ich fasse zusammen, die eigentliche Absicht war, gestern live das Buch vor laufender Kamera vorzulesen, in dem im ersten Post präzisierten Sinn, daß ich den Text noch nicht kenne, den ich lese. Nachdem der Halbschwabe von seiner Verabredung mit seiner Tochter zurückgekehrt war, wollten wir erst mal zur Erhellung des ersten Postes ein Panoramabild auf diese Seite laden. Das klappte nicht sofort. Erst mußte ich bei einem Laden für “Elektronische Gelegenheiten”, der sich hier nun in die Reihe der umliegenden Geschäfte einreiht, ein Kabel besorgen. Dann das Hochladen des Bildes, eine kurze Mahlzeit, indischen Blumenkohl mit Senf- und Fenchelsamen, eine Reihe von Telefonaten, und nach der kurzen Mahlzeit mein Versuch, auf Seite 24 einzusteigen in den Text des abgeholten Buches. Nach fünf Minuten emsigen Lesens vor laufender Kamera meldete sich dann aber meines Freundes Mitfahrgelegenheit. Ich las, so laut ich konnte, weiter. Doch die Kamera telefonierte. Wenn wir diese Version posten, könnte das schwer mißdeutet werden, als ob der Text so belanglos wäre, daß der Anruf der Mitfahrgelegenheit wichtiger scheint. Als eine hämische, sich hinter vorgetäuschter Neutralität verbergende Liverezension. Das ist unsere Beschäftigung mit dem abgeholten Buch gerade nicht. Es ist das Lesen eines neuen Textes, den es im Internet noch nirgendwo gibt, weil er gerade erst erschienen ist.

October 29th, 2008

In der Zwischenzeit hat der Halbschwabe dieses Foto von seiner Tochter gemacht.

In der Zwischenzeit hat der Halbschwabe dieses Foto von seiner Tochter gemacht.

Was bisher geschah


October 29th, 2008

In der Buchbox auf der Danziger Straße thronte das gestern auf heute zehn Uhr bestellte Buch zuverlässig auf einem Stapel mich nicht interessierender anderer Bücher. Die kompetente und gute Buchhändlerin händigte es mir mit ein paar unbanalen freundlichen Worten ein, und in meiner hervorragenden tollen Laune noch aus dem Cookies, knapp drei Stunden her, mußte ich nur die Straße überqueren und mich lediglich den Weg die Treppe hinauf zu mir noch ein wenig zügeln, bis ich dem bestellten Buch endlich seine extradicke bessere Folie vom Leib reißen konnte. Die ersten Seiten sind einmal nicht in diesem Bloggerplauderton gehalten, den ich nicht mag. Mit dieser Feststellung kochte ich Kaffee. Der Duft des fürs Handfiltern frisch gemahlenen Kaffees weckte widerum meinen Gast aus Düsseldorf, Halbschwabe, der angezogen und gekämmt aus demjenigen Zimmer meiner Zweiraumwohnung trat, das ich Gästezimmer nenne. Der Kaffee widerum roch so gut, weil ich ihn ganz frisch von Impala an der Kreuzung Eberswalder Straße geholt hatte, eine keniatische Bohne mit Wurst und Gemüsenoten. Überaus kompetent, gut und zuverlässig muhl die Kameradin Franchisenehmeringeschäftsführerin dort den Kaffee, wie verabredet freundlich mit der jungen Dame in der Buchhandlung, wo blieb da die notorische Nickeligkeit, die einem sonst morgens angeblich überall entgegenweht? Weil mein Freund aus Düsseldorf jetzt aber wach war, konnte man ihm den frisch aufgebrühten Kaffee nicht verwehren. Ich konnte das bestellte Buch nicht einfach weiterlesen und ihn stumm am Kaffeetisch sitzen lassen mit seinem aufgeweichten Hirn. Doch er zeigte sich willens, mich ihm den Anfang vorlesen zu lassen. Schnell war die Stelle erreicht, bis zu der ich vor dem Kaffeekochen gekommen war, so daß es ab da kein Ver- und Vorlesen mehr war, sondern Lautvorlesen und Lautvorgelesenesverlautenlassen.  Das haben wir also geklärt, die Einleitung steht, denn jeden Augenblick kommt mein Gast von seiner Verabredung mit seiner siebzehnjährigen Tochter zurück, die er in Berlin besucht, und ich konnte ihn daher noch nicht fragen, ob er hier vorkommen will und ich sein Familienleben ans Licht zerren darf. Wenn er wiederkommt, nimmt er mich beim Lesen des unbekannten Textes auf, und anschließend wird das ganze hier auf dieser Seite gepostet. Diese Zusammenhänge sind nötig, um zu verstehen, daß es sich gleich nicht um ein Vorlesen eines Textes handelt. Wenn ich den mir unbekannten Text lese, ist es ein bloßes Selberlesen und im Grunde Verlinken des abgeholten Textes. “What are you doing?” – Ich lese gerade das erste Buch von…